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Lawinensicherheitstage

Lawinensicherheitstage

Weiterbildung der Heeresbergführer zusammen mit den

Bayerischen Polizeiberg- und Skiführer

Der Verband Deutscher Heeresbergführer (VDHBF) sowie der Verband der Polizeiberg- und Skiführer (VdPBS) planten zum Auftakt des diesjährigen Winters eine gemeinsame Weiterbildungsveranstaltung unter dem Veranstaltungsnamen „Lawinensicherheitstage“. Gerechnet haben beide Verbände mit etwa 60, vielleicht 80 Teilnehmern. Doch das abwechslungsreiche, dennoch mit rotem Faden versehene Programm weckte nicht nur das Interesse der jeweiligen Vereinsmitglieder. Zahlreiche anderer Institutionen und auch einzelne Alpin-Experten bekundeten ihr Interesse. So waren am 15. November etwa 170 Gäste zu den Lawinensicherheitstagen nach Mittenwald ins Offizier-Kasino, zur zweitägigen Fortbildung angereist. Der Donnerstag gestaltete sich als Vortragstag mit insgesamt 7 Referenten. Paul Mair, Alpinsachverständiger aus Tirol und Dr. Norbert Hofer, Richter am Landesgericht Innsbruck eröffneten den Tag mit zwei einzelnen Vorträgen über denselben Lawinenunfall. Mit diesem Auftakt wurden die anwesenden Bergführer zum Nachdenken über das eigene Verhalten angeregt. Die Frage zwischen den Zeilen, wie sorgfaltspflichtig man den selber so die eigenen Touren vorbereite und durchführe, sollte die anwesenden zum nahenden Winter sensibilisieren. Dazu war natürlich auch interessant, welche Kriterien die Justiz nach Eintritt eines Unfalles in einem Prozess anhand einer sogenannten „Juristischen Maß-Figur“ heranziehen würden. Zum Zweck, Aufbau und Nutzen der Lawinenlageberichte klärten mit zwei weiteren Vorträgen Dr. Christoph Mitterer vom Lawinenwarndienst Tirol und Dr. Thomas Feistl von der Lawinenwarnzentrale (LWZ) Bayern auf. Sie unterstrichen die seit bereits einem Jahr bestehenden Veränderungen bei den Lawinenlageberichten und der Einflussnahme des Faktors Lawinengröße auf die Entstehung der Gefahrenstufen sowie mögliche, nachfolgende Auswirkungen auf einige probabilistische Entscheidungsstrategien. Polizeihauptkommissar Walter Schmid, Polizeibergführer und Mitglied des Lehrteams der Lawinenwarnzentrale Bayern hob für das Publikum mit seinem Vortrag verschiedene Schneedeckentests in Erinnerung. Dies war eine theoretische Basis sowohl für den folgenden Praxistag, als auch eine willkommene Einleitung für Chris Semmel, der als Lehrteams-Mitglied des Verbandes Deutscher Berg- und Skiführer (VDBS) die Strategie der Einzelhangbeurteilung in der deutschen zivilen Bergführerausbildung präsentierte. Von einem Grundmuster GKMR (Gefahr erkennen, Konsequenzen, Maßnahmen ergreifen und Risiko bewerten) ausgehend, leitete er schließlich über den Blick auf untergeordnete Kriterien zur Bewertung und Entscheidung zu Führungstaktiken, auch unter Zuhilfenahme verschiedener Schneetests und Analysen, weiter. Stephan Harvey, Lawinenexperte vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos, beendete die Vortragsreihe mit einem Beitrag zum Thema Prozess- und Konsequenzdenken bei der Beurteilung der Lawinengefahr. Dabei ging es von Grundsätzen des Risikomanagements über die Abschätzung zur potentiellen Auslösung und des Ausmaßes möglicher Lawinen, Überlegungen zu den Konsequenzen von Verschüttung und Absturz bis hin zum Risikomanagement in der Planung und im Einzelhang. Auch Brigadegeneral Sembritzki war aus Bad Reichenhall angereist, um sich zu informieren und insbesondere seinen Heeresbergführern Anerkennung zu zeigen. Durch den Tag führte Oberstleutnant Johannes Schwegler, Chef des Heeresbergführerverbandes aus Bad Reichenhall zusammen mit seinem Amtskollegen, Polizeihauptmeister Michael Gebhard vom Tegernsee.

Trotz der heftigen Sturmböen im Oberland konnte am Freitag mit der Seilbahn, die an diesem Tag den winterlichen Liftbetrieb aufnahm, auf die Zugspitze aufgefahren werden. Die Spezialisten nahmen dort die frischen Triebschneeablagerungen und mögliche bodennahe Schwachschichten unter die Lupe. Dabei zeigte Dr. Thomas Feistl mit zahlreichen Polizeibergführern seines Lehrteams, wie gearbeitet werden kann. Zwei Ausbilder der Firma PIEPS schulten überdies mit neuestem Gerät das Vorgehen bei der Suche nach Lawinenverschütteten. Durch die kalten Temperaturen und den starken Wind war zudem die Station von Herbert Sreinmaßl von der Firma DYNAFIT zum Testen verschiedener Ski eine willkommene Abwechslung. Zur Verabschiedung der Weiterbildung unterstrichen alle Bergführer und externen Experten den Erfolg der gemeinsamen Veranstaltung. Auch Peter Geyer, staatlich geprüfter Berg- und Skiführer und ehemaliger IVBV-Präsident aus Piding bezeichnete die Fortbildung als besonders gelungen.

 

 

Text: Verband Deutscher Heeresbergführer e.V.

 

Fotos:

  1. Auf der sonnenbeschienenen Terrasse zeigen sich (von li nach re): Dr. Christoph Mitterer, Polizeihauptmeister Michael Gebhard, Oberstleutnant Johannes Schwegler, Chris Semmel, Christoph Schellhammer (Verband Deutscher Bergsteigerschulen), Gudrun Weikert (TU München), Peter Geyer, Polizeihaupkommissar Walter Schmid, Paul Mair, Hans Konetschny (Leiter LWZ Bayern), Stephan Harvey, Jan Mersch (Lawinen-Experte DAV), Dr. Thomas Feistl, Wolfgang Pohl (Deutscher Skilehrer Verband) und Dr. Norbert Hofer (Foto: Lutz Leibelt).

 

  1. Major Ivo Ludwig untersucht die Kornform und Korngröße einer in einem Schneeblock gebrochenen Schwachschicht (Foto: Johannes Schwegler).

 

  1. Ein Ausbilder des Lawinenwarnzentrale Bayern zeigt das Vorgehen bei der Anwendung des Extended Column Tests (ECT) (Foto: Johannes Schwegler).

 

  1. Dr. Thomas Feistl stellt sich mit den Neuerungen des Lawinenlageberichtes Bayern einem interessierten Fachpublikum (Foto: Lutz Leibelt).

 

  1. Am Zugspitzblatt werden die Vorteile des Einsatzes einer digitalen Lawinensonde vorgestellt (Foto: Josef Hümmer).

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